Beratungs-Hotline: +49 176 4525 9019(Mo.-Fr. 10 - 16 Uhr)

Deradikalisierung verbindlich gestalten – Handlungsempfehlungen aus der Tertiärprävention nach dem CSD-Attentat

Grüner Vogel e.V. | Beratungsstelle Leben

Der Anschlag auf den Christopher Street Day am 25. Juli 2026 in Berlin, der eine Tote und 31 teils schwer Verletzte forderte, hat erneut gezeigt, wie wichtig verlässlicher Informationsaustausch, klare Zuständigkeiten, ressort-, und professionsübergreifend abgestimmte Prozesse in der Deradikalisierungsarbeit sind. In Deutschland hat sich eine qualifizierte und differenzierte Trägerlandschaft der Tertiärprävention entwickelt, deren Ansätze und Kooperationen vielfach über den Modellcharakter hinausgewachsen sind. Um dieses Potenzial, insbesondere in ihrer Arbeit mit sicherheitsrelevanten Personen auszuschöpfen und ihren Beitrag zur inneren Sicherheit und zum Opferschutz nachhaltig zu stärken, braucht es verlässliche strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen.

Die bisherige Aufarbeitung des Anschlags macht Defizite deutlich, die teilweise von zivilgesellschaftlichen Einrichtungen bereits seit Längerem benannt werden. Die folgenden fünf Diskussionspunkte zielen darauf ab, die Voraussetzungen für wirksame Deradikalisierungsarbeit zu verbessern um so dem übergeordneten Ziel, weitere Opfer zu verhindern, besser gerecht werden zu können.

Deradikalisierung verbindlich gestalten – Handlungsempfehlungen aus der Tertiärprävention nach dem CSD-Attentat

Fünf Diskussionspunkte, die darauf abzielen, die Voraussetzungen für wirksame Deradikalisierungsarbeit zu verbessern. PDF Herunterladen

Zwischen Beratung und Therapie – unsere neue Tagungspublikation ist da

Unsere Dokumentation zum Fachtag 2026 „Zwischen Beratung und Therapie – Schnittstellen in der Deradikalisierungsarbeit gestalten“ ist erschienen. Die Publikation greift die Beiträge und Diskussionen des Fachtags vom 26. März 2026 auf und widmet sich einer Schnittstelle, die in der Distanzierungs- und Deradikalisierungsarbeit zunehmend an Bedeutung gewinnt: dem Zusammenspiel von Beratung, Psychotherapie und Psychiatrie.

Die Beiträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Kerstin Sischka von nexus ordnet die psychotherapeutische Arbeit mit Klient:innen aus den Phänomenbereichen Islamismus und Rechtsextremismus ein. Heiner Vogel, Franziska Elias und Alma Fathi beschreiben die Zusammenarbeit von nexus und Grüner Vogel, für die konkrete Fallarbeit. Daran anschließend, betrachten Alma Fathi und Fabian Wichmann von Grüner Vogel die Verschränkung von Radikalisierung und psychischen Belastungen aus der Beratungspraxis. Volkmar Körner und Stefanie Ballscheidt stellen mit BIOS-BW ein etabliertes Modell forensisch-therapeutischer Versorgung vor. Ergänzt werden die Beiträge durch die Einführung von Claudia Dantschke, einem Grußwort von Marcel Komarek vom BAMF und der abschließenden Podiumsdiskussion zu tragfähigen Beratungs- und Therapiestrukturen.

Die Publikation macht deutlich: Psychische Erkrankungen erklären Radikalisierung nicht. Wo psychische Belastungen, ideologische Bindungen, biografische Erfahrungen und Sicherheitsfragen zusammenkommen, braucht es klare Zuständigkeiten, gegenseitiges fachliches Verständnis und verlässliche Kooperationsstrukturen.

Tagungspublikation „Zwischen Beratung und Therapie – Schnittstellen in der Deradikalisierungsarbeit gestalten“
Dokumentation zentraler Beiträge und Perspektiven unseres Fachtags 2026 zu Fragen der Radikalisierung, Deradikalisierung an der Schnittstelle zu therapeutischen Heilberufen, mit Beiträgen von Claudia Dantschke, Marcel Komarek, Kerstin Sischka, Alma Fathi, Fabian Wichmann Volkmar Körner und Stefanie Ballscheidt.

Download der Publikation auf Deutsch (gedruckt verfügbar)

Die Tagungspublikation steht ab sofort digital zur Verfügung und auf Anfrage auch als gedruckte Ausgabe erhältlich. Wer lieber zuhört, findet die Beiträge außerdem in der neuen Staffel unseres Podcasts „Präventionsgezwitscher“, dort sind die Vorträge des Fachtags auch als Audio verfügbar. Einen Rückblick auf unseren Fachtag 2025 und weitere Beiträge finden Sie hier.

Die Macht der Narrative: Grüner Vogel mit einem Beitrag im neuen Sammelband

Frauen spielen in extremistischen und terroristischen Bewegungen eine vielfältige und oftmals unterschätzte Rolle. Der neue Sammelband „Extremistinnen und Terroristinnen. Rollen, Funktion und Bedeutung von Frauen in Extremismus und Terrorismus“, herausgegeben von Isabelle Holz und Stephan G. Humer, nimmt diese Perspektive genauer in den Blick.

Der Band versammelt wissenschaftliche und praxisnahe Beiträge zu unterschiedlichen Formen weiblicher Beteiligung – von islamistischen und jihadistischen Zusammenhängen über die extreme Rechte bis hin zu linker Militanz. Dabei wird deutlich, dass Frauen keineswegs ausschließlich als passive Mitläuferinnen oder Opfer zu betrachten sind, sondern in unterschiedlichen Funktionen aktiv an extremistischen Strukturen und Prozessen beteiligt sein können.

Wir freuen uns sehr, dass Grüner Vogel e. V. mit einem eigenen Beitrag in diesem Sammelband vertreten ist. Darin bringen wir unsere Erfahrungen und Perspektiven aus der praktischen Arbeit ein und möchten damit zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit Frauen und ihren unterschiedlichen Rollen in extremistischen Zusammenhängen beitragen.

Wir bedanken uns herzlich bei den Herausgeber*innen für die Möglichkeit, unsere Perspektiven und Erfahrungen einzubringen, und wünschen dem Sammelband eine breite fachliche Resonanz.

Unser Beitrag ist hier bei De Gruyter Brill verfügbar:
Zum Beitrag von Grüner Vogel

Zum gesamten Sammelband:
Zum Sammelband bei De Gruyter Brill

Mehr Publikationen von Grüner Vogel e.V. finden Sie hier.

Arne Augustini, Ibrahim Bebars, Franziska Frosch und Hanno Schedler (2026): Die Macht der Narrative: Einblicke in die Arbeit mit Rückkehrerinnen aus einem dschihadistischen Kampfgebiet. In: Extremistinnen und Terroristinnen. Rollen, Funktionen und Bedeutung von Frauen in Extremismus und Terrorismus. De Gruyter, Berlin. Download