Neue Staffel von „Präventionsgezwitscher“ jetzt online
Der Podcast von Grüner Vogel e. V. zum Fachtag 2026
Begleitend zu unserem Fachtag 2026 widmet sich die neue Staffel einem Thema, das in der Distanzierungs- und Deradikalisierungsarbeit zunehmend an Bedeutung gewinnt: den Schnittstellen zwischen Beratung und Therapie. Unter dem Titel „Zwischen Beratung und Therapie – Schnittstellen in der Deradikalisierungsarbeit gestalten“ greifen wir Fragen auf, die Fachkräfte in der Praxis seit Langem beschäftigen: Was braucht es, wenn Radikalisierungsprozesse und psychische Belastungen zusammenkommen? Wo liegen die Grenzen klassischer Beratungsarbeit? Und wie kann eine tragfähige Zusammenarbeit zwischen Prävention, Psychotherapie, Psychiatrie, Justiz und weiteren Hilfesystemen gelingen?
In mehreren Folgen machen wir Beiträge des Fachtags über die Veranstaltung hinaus zugänglich. Dabei kommen Perspektiven aus Beratungspraxis, Psychotherapie, Wissenschaft, Justizvollzug und Verwaltung zusammen. Zu hören sind unter anderem Claudia Dantschke, Marcel Komarek, Kerstin Sischka, Alma Fathi, Fabian Wichmann sowie weitere Gäste aus Praxis und Fachwelt.
Die Staffel richtet sich an Fachkräfte aus Prävention, Jugendhilfe, Psychotherapie, Straffälligenhilfe, Sicherheitsbehörden und Justiz – ebenso wie an alle, die sich vertieft mit aktuellen Herausforderungen der Deradikalisierungsarbeit auseinandersetzen möchten. Im Mittelpunkt stehen nicht nur theoretische Fragen, sondern vor allem die Praxis: konkrete Fallkonstellationen, institutionelle Schnittstellen, Versorgungslücken und die Frage, wie Menschen mit komplexen Unterstützungsbedarfen besser begleitet werden können.
Mit „Präventionsgezwitscher“ wollen wir Erfahrungen aus unserer Arbeit, fachliche Debatten und wissenschaftliche Erkenntnisse so aufbereiten, dass sie verständlich, anschlussfähig und für die Praxis nutzbar werden. Die zweite Staffel führt diesen Anspruch fort – mit einer Themenreihe, die für die Weiterentwicklung der Distanzierungs- und Deradikalisierungsarbeit hoch aktuell ist.
Nihilistische Gewalt (Extremismus) im digitalen Zeitalter
Warum das neue Conclusion Paper für Prävention und Deradikalisierung wichtig ist
Mit dem neu veröffentlichten Conclusion Paper de EUKH „Nihilistic Extremism in the Digital Age“ liegt eine aktuelle fachliche Einordnung zu einem Themenfeld vor, das für Extremismusprävention, Online-Radikalisierung, Jugendschutz sowie Distanzierungs- und Deradikalisierungsarbeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. In das Papier sind auch Erfahrungen und Perspektiven aus der Arbeit von Grüner Vogel e.V. eingeflossen. Die dort behandelten Fragestellungen berühren zentrale Herausforderungen unserer Praxis in Beratung, Prävention und Ausstiegsbegleitung.
Mitglieder des Panel 1 und 3 des EUKH.
Wenn Gewalt selbst zur Ausdrucksform wird
Das Paper nimmt Entwicklungen in den Blick, die sich immer weniger allein mit klassischen Vorstellungen ideologisch geschlossener Radikalisierung oder terroristischer Mobilisierung erfassen lassen. Im digitalen Raum entstehen Dynamiken, in denen Gewalt nicht nur als Mittel zur Durchsetzung politischer, religiöser oder weltanschaulicher Ziele erscheint, sondern selbst zur Ausdrucksform werden kann: als Suche nach Sichtbarkeit, Anerkennung, Zugehörigkeit, Status oder Selbstwirksamkeit.
Gerade in digitalen Jugendkulturen, sozialen Medien, Online-Subkulturen und plattformübergreifenden Communities entstehen Kontexte, in denen sich extremistische Narrative, Verschwörungserzählungen, Gewaltfaszination, Provokation und Identitätssuche miteinander verbinden. Wer Radikalisierungsprozesse heute verstehen will, muss deshalb nicht nur auf Inhalte, Symbole oder ideologische Labels schauen, sondern auch auf die digitalen Umgebungen, in denen solche Entwicklungen an Attraktivität gewinnen.
Das Paper zeigt, dass problematische Verläufe häufig durch Systeme von Aufmerksamkeit, Belohnung und Gruppenzugehörigkeit verstärkt werden. Diese Mechanismen können gerade für junge Menschen eine erhebliche Bedeutung entfalten, weil sie zentrale Entwicklungsfragen berühren: Wer bin ich? Wo gehöre ich dazu? Wie werde ich gesehen? Und wie kann ich Bedeutung erlangen?
Warum das Thema für Grüner Vogel e.V. relevant ist
Auch für Grüner Vogel e.V. ist diese Perspektive zentral. In unserer Praxis beobachten wir, dass sich Erscheinungsformen von Extremismus, Online-Radikalisierung und ideologischer Verfestigung verändern. Insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigt sich immer wieder, dass politische, ideologische, persönliche und subkulturelle Einflussfaktoren ineinandergreifen können.
Nicht immer steht am Anfang eine klar erkennbare Weltanschauung. Häufiger geht es zunächst um Krisenerfahrungen, Unsicherheiten, Abwertungserfahrungen, Feindbilder, digitale Bestätigung und die Suche nach Orientierung. Ideologische Versatzstücke können dabei mit Gewaltfantasien, provokativen Online-Praktiken oder nihilistischen Deutungen verschmelzen. Das macht die Arbeit in Prävention, Beratung und Distanzierungsarbeit anspruchsvoller – und zugleich umso notwendiger.
Prävention muss digitale Dynamiken mitdenken
Ein zentraler Impuls des Conclusion Papers liegt darin, Prävention breiter zu denken. Es reicht nicht aus, ausschließlich auf problematische oder strafbare Inhalte zu reagieren. Ebenso relevant sind die sozialen, emotionalen und technischen Strukturen, die solche Inhalte sichtbar, attraktiv und nachahmbar machen.
Daraus ergeben sich konkrete Aufgaben für die Präventionslandschaft: eine frühzeitige Wahrnehmung problematischer Entwicklungen, stärkere digitale Handlungskompetenz, verlässliche Schutzkonzepte für Minderjährige, mehr Aufmerksamkeit für psychische Belastungen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Bildung, Kinderschutz, psychosozialer Versorgung, Sicherheitsbehörden und zivilgesellschaftlicher Fachpraxis.
Gerade mit Blick auf Minderjährige ist das Paper besonders relevant. Junge Menschen können in digitalen Sozialräumen sowohl gefährdet als auch aktiv beteiligt sein. Dort haben Sichtbarkeit, Zuspitzung, Provokation und Grenzüberschreitung oft eine hohe Bedeutung. Wer Jugendschutz und Radikalisierungsprävention ernst nimmt, muss deshalb verstehen, warum bestimmte Formen von Gewalt, Enthemmung oder Selbstinszenierung dort Anschlussfähigkeit gewinnen.
Ein wichtiger Impuls für Prävention, Jugendschutz und Deradikalisierung
Das Conclusion Paper verbindet Beobachtungen zu nihilistischer Gewalt, digitaler Gewaltkultur und Online-Radikalisierung mit den daraus entstehenden Herausforderungen für Prävention, Intervention und Deradikalisierung. Zugleich unterstreicht es die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit, um auf diese Entwicklungen angemessen reagieren zu können.
Wer sich mit Extremismusprävention, digitaler Radikalisierung, Jugendschutz und Online-Subkulturen beschäftigt, findet in dem Paper eine aktuelle fachliche Grundlage. Es macht deutlich: Prävention muss neben Ideologien auch Plattformlogiken, Aufmerksamkeitsmechanismen und digitale Formen von Anerkennung, Zugehörigkeit und Gewaltinszenierung in den Blick nehmen. Genau darin liegt seine besondere Relevanz für die Distanzierungs- und Deradikalisierungsarbeit.
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