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Islamwissenschaftler erklärt in Kerpen, was Jugendliche zum Salafismus verleitet

(KStA) Was macht Salafismus für Jugendliche attraktiv – und was hilft wirklich? Im Kölner Stadt-Anzeiger erklärt unser Kollege Kaan Orhon warum salafistische Angebote gerade für junge Menschen anziehend sind: klare Freund-Feind-Bilder, deutschsprachige Ansprache, starke Gruppenerlebnisse und Präsenz in Social Media.
Genauso klar ist seine Botschaft zur Prävention: Entscheidend sind Bindung, Gesprächsbereitschaft und Deeskalation – nicht Panik oder Konfrontation. Eltern, Lehrkräfte und Fachkräfte müssen Warnsignale ernst nehmen, aber Jugendliche nicht allein lassen, sondern alternative Wege zu Zugehörigkeit und Orientierung eröffnen .
Die Beratungsstelle Leben von Grüner Vogel e.V. unterstützt Angehörige, Schulen und Fachkräfte bundesweit – vertraulich und praxisnah.

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Die deutschen IS-Kämpfer, von denen die Bundesregierung nichts wissen will

(Correctiv) In der Hochphase der Miliz „Islamischer Staat“ reisten mehr als tausend Deutsche nach Syrien in den „Heiligen Krieg“. Mit dem Niedergang des IS gerieten sie in Gefangenschaft. Experten fordern, die mutmaßlichen Terroristen zurückzuholen, um sie zu bestrafen und zu deradikalisieren. Die Bundesregierung weigert sich.

Ihr erster und bis heute letzter Besuch bei ihrem gefangenen Enkel liegt nun schon fast fünf Jahre zurück. Doch die Bilder dieses Tages wird Margrit G.* wohl nie mehr vergessen. Ihr Enkel Anton* war ausgemergelt und abgemagert. Er steckte in einem abgetragenen Overall, und als die Wärter ihm in dem Besuchszimmer Handfesseln und Augenbinde abnahmen, starrte Anton sie mit leeren Augen und starren Gesichtszügen an – als sei ihm nicht klar gewesen, dass es seine Oma war, die da vor ihm stand.

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Publikation: Zwischen Haft und Rückkehr

Die sicherheitspolitischen Risiken im Umgang mit inhaftierten deutschen IS-Anhängern in Syrien sind akut und werden in der neuen Publikation „Zwischen Haft und Rückkehr“ von Fabian Wichmann, Hanno Schedler und Claudia Dantschke analysiert. Die Autoren warnen: Ein bloßes Abwarten erhöht langfristig die Gefahr für Deutschland und Europa.

In den Gefängnissen der kurdischen Autonomieverwaltung in Nordostsyrien befinden sich rund 40 Männer mit Bezügen zu Deutschland – ohne Gerichtsverfahren, ohne Überwachung durch internationale Akteure. Unter den instabilen Sicherheitsbedingungen drohen Ausbrüche, Übernahmen der Gefängnisse durch militante Gruppen oder unkontrollierte Rückkehr einzelner Personen. Diese rechtsfreien Räume wirken zudem als Resonanzboden für neue Radikalisierungsprozesse und Märtyrer-Narrative, die extremistische Milieus in Deutschland gezielt nutzen.

Die Publikation kommt zu dem Ergebnis: Kontrollierte Rückholung ist keine naive Geste, sondern ein Instrument der inneren Sicherheit. Erst in Deutschland können Strafverfolgung, Gefahrenabwehr, Distanzierungsarbeit und Überwachung rechtssicher kombiniert werden. Das bestehende Netzwerk aus Sicherheitsbehörden, Justiz, Beratungsstellen und spezialisierten Trägern ist dafür vorhanden – und hat sich bereits bei der Rückführung von Frauen und Kindern bewährt. Bis heute ist keine der zurückgeführten Frauen erneut straffällig geworden.

Zentrale sicherheitspolitische Empfehlungen der Publikation:

  • Gestufter Rückholprozess, um Überwachung, Ermittlungen und Strafverfahren strategisch vorzubereiten
  • Einbindung von Rückkehrkoordinator*innen in Bund und Ländern für ein einheitliches Sicherheitsmanagement
  • Frühzeitige Strafverfolgung und Gefährdungsbewertung statt späterer unkontrollierter Rückkehr
  • Verhinderung extremistischer Märtyrer-Narrative und Aufbau rechtsstaatlicher Handlungsfähigkeit

Die Autor*innen betonen: Nicht zu handeln bedeutet, Risiken zu exportieren und Kontrolleaufzugeben. Rückholung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – juristisch, sicherheitspolitisch und gesellschaftlich.

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