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Vom Forscher zum Berater

Wie wird man eigentlich Berater in der Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit?

Unser Kollege Ibrahim Bebars erzählt im Interview mit der Beratungsstelle Radikalisierung des BAMF, wie ihn sein Weg von der Nahostforschung in die praktische Fallarbeit geführt hat. Er spricht über einen Berufsalltag, der sich kaum planen lässt – und darüber, was ihn an dieser Arbeit motiviert.

Das Interview zeigt: Fachwissen ist wichtig. Mindestens ebenso entscheidend sind Vertrauen, persönliche Begegnungen und die Fähigkeit, auch in komplexen und schnell wechselnden Situationen professionell zu handeln.

Zum vollständigen Interview beim BAMF

Veröffentlichungen: Digitale Propaganda und Foreign Terrorist Fighters

In der aktuellen Ausgabe von The Hub. Insights des EU Knowledge Hub on Prevention of Radicalisation sind zwei Beiträge mit Beteiligung von Grüner Vogel e. V. erschienen. Beide greifen Themen auf, die für Prävention, Distanzierungsarbeit und sicherheitspolitische Debatten derzeit besonders relevant sind: die Veränderung extremistischer Propaganda im digitalen Raum und der Umgang mit europäischen Foreign Terrorist Fighters in irakischen Gefängnissen.

Wie digitale Technologien extremistischer Propaganda neue Wege eröffnen

Im Beitrag „How Digital Technologies Decentralise the Production of Extremist Propaganda“ beschreibt Fabian Wichmann, wie digitale Technologien die Herstellung extremistischer Inhalte verändert haben. Die zentrale Beobachtung: Propaganda wird heute nicht mehr nur von festen Organisationen oder bekannten Szeneakteuren produziert. Immer häufiger entstehen Inhalte in dezentralen digitalen Umgebungen, in denen Einzelpersonen oder lose Netzwerke mit leicht verfügbaren Programmen, Plattformen und KI-Anwendungen arbeiten.

Dabei geht es nicht nur um Reichweite. Entscheidend ist, dass sich die Produktionsbedingungen verändert haben. Inhalte lassen sich schneller, günstiger und einfacher erstellen, anpassen und verbreiten. Soziale Medien, Messenger, Gaming-Umgebungen, Design-Tools und KI-Anwendungen senken die Hürden erheblich. Extremistische Kommunikation wird dadurch flexibler, visuell anschlussfähiger und stärker an die Logiken einzelner Plattformen angepasst.

Für Prävention und Analyse ist diese Entwicklung zentral. Wer extremistischer Kommunikation begegnen will, darf nicht nur auf bekannte Gruppen, Kanäle oder einzelne Influencer schauen. Ebenso wichtig sind die Werkzeuge, Formate und digitalen Stile, mit denen Inhalte heute produziert werden. Der Beitrag macht deutlich, dass Zielgruppen nicht mehr nur als Empfänger extremistischer Botschaften adressiert werden. Sie können Inhalte selbst weiterverarbeiten, (re)mixen und verbreiten und dadurch Teil der Propagandaproduktion werden.

The Hub. Insights: Emerging Trends in PCVE

Die aktuelle Ausgabe des EU Knowledge Hub beleuchtet neue Entwicklungen in Prävention und Radikalisierungsforschung – von digitaler Propaganda und Online-Radikalisierung bis zu nihilistischer Gewalt, KI, Plattformlogiken und European Foreign Terrorist Fighters. Mit Beiträgen u. a. von Fabian WichmannJulia BerczykHanno SchedlerVirginie AndreAlexander RitzmannLilla Schumicky-LoganOlivier CauberghsGijs Van BeekAissa BahMarkus Wagner und Dániel Rémai. Download

European Foreign Terrorist Fighters in irakischen Gefängnissen

Der zweite Beitrag, „Final Destination? European Foreign Terrorist Fighters in Iraqi Prisons“, von Julia Berczyk und Hanno Schedler befasst sich mit der Lage europäischer männlicher IS-Verdächtiger, die seit Anfang 2026 aus Nordostsyrien in den Irak gebracht wurden. Hintergrund sind militärische Veränderungen in Syrien, die Verlegung tausender Daesh-Gefangener und die Forderung der irakischen Regierung an andere Staaten, ihre eigenen Staatsangehörigen zurückzunehmen.

Der Beitrag zeigt, dass die bisherige Zurückhaltung vieler europäischer Staaten zunehmend unter Druck gerät. Dabei geht es nicht nur um politische Entscheidungen, sondern auch um Rechtsstaatlichkeit, Haftbedingungen und Sicherheit. Thematisiert werden unter anderem die Gefahr der Todesstrafe, problematische Gerichtsverfahren und Haftbedingungen, die eher zur weiteren Verfestigung extremistischer Haltungen beitragen können, als Distanzierung zu ermöglichen.

Damit stellt der Text eine grundsätzliche Frage: Ist es tragfähig, diese Verantwortung dauerhaft auszulagern oder braucht es langfristig rechtsstaatliche und kontrollierte Lösungen in Europa? Der Beitrag plädiert dafür, die Debatte nicht nur sicherheitspolitisch zu führen, sondern auch menschenrechtliche Standards, Strafverfolgung und Reintegration mitzudenken.

Islamistisches Influencing

Jetzt online: Neue Publikation über islamistisches Influencing in Band 17 der Reihe „Wissen schafft Demokratie“

Der aktuelle Band der IDZ-Schriftenreihe „Wissen schafft Demokratie“ (17/2025) trägt den Titel „Uncivil Society – ‚Schattenseiten‘ der Zivilgesellschaft“ und beleuchtet ein breites Spektrum an Bedrohungen, Widersprüchen und Herausforderungen, mit denen zivilgesellschaftliche Akteur*innen heute konfrontiert sind. Zugleich stellt die Publikation Gegenstrategien und praxisorientierte Ansätze vor.

Mit einem Beitrag vertreten sind auch unsere Kolleginnen Franziska Frosch und Kaan Orhon. In ihrem Artikel analysieren sie das Phänomen des islamistischen Influencings und zeigen auf, wie extremistische Akteurinnen digitale Plattformen nutzen, um ihre Ideologie zu verbreiten. Der Beitrag beschäftigt sich mit zentralen Fragen:

  • Wie agieren sogenannte Islam-Fluencer*innen?
  • Welche Narrative und Formate werden verwendet?
  • Wie wirken sich rechtspopulistische Diskurse auf die Anschlussfähigkeit islamistischer Inhalte aus?

Anhand eines konkreten Fallbeispiels aus der Beratungsarbeit wird deutlich, wie diese Inhalte auf Jugendliche wirken können – und welche Herausforderungen sich für Prävention und Intervention daraus ergeben.

Frosch, Franziska / Orhon, Kaan (2025). Wie Islam-Fluencerinnen in den sozialen Medien gesellschaftliche Spannungen instrumentalisieren. In: Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (Hg.): Wissen schafft Demokratie, Band 17, S. 122–133. Download

Wir danken dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft für die Veröffentlichung und empfehlen den Band als fundierte Lektüre für alle, die sich mit aktuellen Entwicklungen in der Präventionsarbeit und im zivilgesellschaftlichen Engagement auseinandersetzen möchten.

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