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Veröffentlichungen: Digitale Propaganda und Foreign Terrorist Fighters

In der aktuellen Ausgabe von The Hub. Insights des EU Knowledge Hub on Prevention of Radicalisation sind zwei Beiträge mit Beteiligung von Grüner Vogel e. V. erschienen. Beide greifen Themen auf, die für Prävention, Distanzierungsarbeit und sicherheitspolitische Debatten derzeit besonders relevant sind: die Veränderung extremistischer Propaganda im digitalen Raum und der Umgang mit europäischen Foreign Terrorist Fighters in irakischen Gefängnissen.

Wie digitale Technologien extremistischer Propaganda neue Wege eröffnen

Im Beitrag „How Digital Technologies Decentralise the Production of Extremist Propaganda“ beschreibt Fabian Wichmann, wie digitale Technologien die Herstellung extremistischer Inhalte verändert haben. Die zentrale Beobachtung: Propaganda wird heute nicht mehr nur von festen Organisationen oder bekannten Szeneakteuren produziert. Immer häufiger entstehen Inhalte in dezentralen digitalen Umgebungen, in denen Einzelpersonen oder lose Netzwerke mit leicht verfügbaren Programmen, Plattformen und KI-Anwendungen arbeiten.

Dabei geht es nicht nur um Reichweite. Entscheidend ist, dass sich die Produktionsbedingungen verändert haben. Inhalte lassen sich schneller, günstiger und einfacher erstellen, anpassen und verbreiten. Soziale Medien, Messenger, Gaming-Umgebungen, Design-Tools und KI-Anwendungen senken die Hürden erheblich. Extremistische Kommunikation wird dadurch flexibler, visuell anschlussfähiger und stärker an die Logiken einzelner Plattformen angepasst.

Für Prävention und Analyse ist diese Entwicklung zentral. Wer extremistischer Kommunikation begegnen will, darf nicht nur auf bekannte Gruppen, Kanäle oder einzelne Influencer schauen. Ebenso wichtig sind die Werkzeuge, Formate und digitalen Stile, mit denen Inhalte heute produziert werden. Der Beitrag macht deutlich, dass Zielgruppen nicht mehr nur als Empfänger extremistischer Botschaften adressiert werden. Sie können Inhalte selbst weiterverarbeiten, (re)mixen und verbreiten und dadurch Teil der Propagandaproduktion werden.

The Hub. Insights: Emerging Trends in PCVE

Die aktuelle Ausgabe des EU Knowledge Hub beleuchtet neue Entwicklungen in Prävention und Radikalisierungsforschung – von digitaler Propaganda und Online-Radikalisierung bis zu nihilistischer Gewalt, KI, Plattformlogiken und European Foreign Terrorist Fighters. Mit Beiträgen u. a. von Fabian WichmannJulia BerczykHanno SchedlerVirginie AndreAlexander RitzmannLilla Schumicky-LoganOlivier CauberghsGijs Van BeekAissa BahMarkus Wagner und Dániel Rémai. Download

European Foreign Terrorist Fighters in irakischen Gefängnissen

Der zweite Beitrag, „Final Destination? European Foreign Terrorist Fighters in Iraqi Prisons“, von Julia Berczyk und Hanno Schedler befasst sich mit der Lage europäischer männlicher IS-Verdächtiger, die seit Anfang 2026 aus Nordostsyrien in den Irak gebracht wurden. Hintergrund sind militärische Veränderungen in Syrien, die Verlegung tausender Daesh-Gefangener und die Forderung der irakischen Regierung an andere Staaten, ihre eigenen Staatsangehörigen zurückzunehmen.

Der Beitrag zeigt, dass die bisherige Zurückhaltung vieler europäischer Staaten zunehmend unter Druck gerät. Dabei geht es nicht nur um politische Entscheidungen, sondern auch um Rechtsstaatlichkeit, Haftbedingungen und Sicherheit. Thematisiert werden unter anderem die Gefahr der Todesstrafe, problematische Gerichtsverfahren und Haftbedingungen, die eher zur weiteren Verfestigung extremistischer Haltungen beitragen können, als Distanzierung zu ermöglichen.

Damit stellt der Text eine grundsätzliche Frage: Ist es tragfähig, diese Verantwortung dauerhaft auszulagern oder braucht es langfristig rechtsstaatliche und kontrollierte Lösungen in Europa? Der Beitrag plädiert dafür, die Debatte nicht nur sicherheitspolitisch zu führen, sondern auch menschenrechtliche Standards, Strafverfolgung und Reintegration mitzudenken.

Zwei Themen, die zusammengehören

Auf den ersten Blick behandeln die beiden Texte sehr unterschiedliche Fragen. Beim genaueren Hinsehen zeigen sie jedoch zwei Seiten derselben Entwicklung: Extremismus verändert sich in seinen digitalen Ausdrucksformen, in seinen Kommunikationswegen und in den politischen Folgen, die daraus entstehen. Der Beitrag von Fabian Wichmann richtet den Blick darauf, wie extremistischer Content heute produziert wird und warum digitale Werkzeuge dabei eine so große Rolle spielen. Der Beitrag von Julia Berczyk und Hanno Schedler zeigt, dass auch der Umgang mit bereits mobilisierten Akteuren neu bewertet werden muss, wenn sich sicherheitspolitische Rahmenbedingungen verändern.

Für die Arbeit von Grüner Vogel e. V. sind beide Perspektiven wichtig. Sie machen deutlich, dass Prävention heute sowohl die digitalen Entstehungsbedingungen extremistischer Kommunikation als auch die langfristigen Folgen extremistischer Mobilisierung in den Blick nehmen muss.

Die vollständige Ausgabe Emerging Trends in der Extremismusprävention gibt einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in Prävention und Radikalisierungsforschung. Uneingeschränkte Leseempfehlung!